Eisenacher Automobilbaugeschichte

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EA-Henning
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Eisenacher Automobilbaugeschichte

Beitragvon EA-Henning » Mi 1. Jul 2015, 00:58

Allgemeines

Am 3. Dezember 1896 gründete Heinrich Ehrhardt mit Hilfe eines Bankenkonsortiums, bestehend aus den Bankhäusern: Gebr. Sulzbach, Trinkhaus, Schlesinger & Co. die Fahrzeugfabrik Eisenach AG (FFE). Nachdem man zunächst Geschütze und Fahrräder der Marke Wartburg herstellte, begann man bereits 1898 mit der Produktion von Automobilen. Erstes Produkt war der der Wartburg-Motorwagen.

Dieser Typ wurde in Lizenz gefertigt und entsprach dem französischen Typ „Decauville“, Damit war die Fahrzeugfabrik Eisenach nach den Firmen „Daimler-Motoren-Gesellschaft“, „Benz & Cie.“ und „Dürkopp & Co.“ das vierte Unternehmen in Deutschland mit einer Automobilproduktion. Ehrhardts Sohn Gustav leitete das Werk in Eisenach, das schon Ende des 19. Jahrhunderts mit 1.300 Arbeitern fertigte.

Entwicklung

Der Rheinmetall-Gründer und Anteilseigner Heinrich Ehrhardt erwarb die 1898 die Alleinlizenz für Deutschland zum Bau einer französischen Voiturette (zeitgenössisch für Kleinwagen) vom Typ Decauville Voiturette, um möglichst schnell ein konkurrenzfähiges Automobil anbieten zu können. Man musste ohne Zeitverlusst in den Markt einsteigen, weil der Markt noch nicht groß genug für viele Hersteller war. Um so früher man präsent war, um so größer war der Marktanteil. Ausserdem sah man im Automobilbau großen Potential, was sich in der nachbetrachtung al richtig erwies. Vor Weihnachten des gleichen Jahres entstand ein erster Versuchswagen, Anfang 1899 kam das Modell bereits als Wartburg-Motorwagen in den Verkauf. Rund 250 dieser Fahrzeuge wurden in Eisenach hergestellt. Für das zunächst relativ autofeindliche Deutschland eine beachtliche Zahl. Der Preis des Fahrzeugs lag je nach Ausführung zwischen 3500 und 3950 Mark.

Technische Angaben

Antrieb

Die ersten Exemplare besassen einen luftgekühlten Viertaktmotor mit 2,6 kW (3,5 PS) Leistung.
Die meisten Fahrzeuge besassen, wie das ausgestellte Exemplar, einen wassergekühlten Motor mit einer maximalen Leistung von 3,8 kW (5 PS) in der Strassenausführung sowie 5,9 kW (8 PS) in der in der Rennversion. Es handelte sich um einen Ottomotor mit zwei in Reihe stehend angeordneten Zylindern und 764 cm³ Hubraum.
Der Motor hatte ungesteuerte Schnüffelventile als Einlassventile, die beim Ansaugen automatisch vom Unterdruck im Zylinder geöffnet wurden. Die Auslassventile wurden mechanisch gesteuert. Der Kühler befand sich vor der Vorderachse aim Fahrwind. Angelassen wurde der Wartburg-Motorwagen über ein Handrad am Fahrersitz.
Die Zündung arbeitete mit einer Trockenbatterie. Wenn die Batterie leer war, blieb der Wagen stehen. Der Motor war mit dem freiliegenden Dreiganggetriebe unter dem kutschbockähnlichen Fahrersitz angebracht. Geschaltet wurde mit einem Handhebel am Fahrersitz. Das heckgetriebene Fahrzeug erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von circa 40 km/h. Die Vorderräder waren ungebremst.

Fahrwerk

Der Wartburg-Motorwagen ist auf einem Rohrgestellrahmen aufgebaut und besitzt eine Achsschenkellenkung. Die Radaufhängung vorne und die Starrachse hinten waren Blattgefedert. Die Lenksäule stand senkrecht vor dem Fahrersitz. An der hinterachse befindet sich ein offenens Achsgetriebe, es handelt sich nicht um ein Differenzial!
Die Spurweite betrug 1050 mm.

Bremsen

Am offenliegenden Hinterachsgetriebe befand sich eine fussbetätigte Bandbremse, an den Hinterrädern befanden sich zudem handbedienente Bandbremsen.

Ausführungen

- Standardausführung, wie das ausgestellte Fahrzeug,
- Tourenwagen in Luxusausführung
- Promenadenwagen mit Verdeck, der speziell für Frauen angeboten wurde (Cabrio),

Zur Liste der Sonderausstattungen gehörten ausserdem Schirmständer an der Seitenwand, eine Hupe mit Gummiball, geflochtene Seitenverkleidungen, Azetylenlampen, Lederpolster und ein Regenverdeck mit Klappmechanismus.

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Wartburg Motorwagen Typ 2 im Museum "Automobile Welt Eisenach" (awe)
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Das Fahrzeug ist betriebsfähig, aber nicht betriebsbereit.
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Nach dem Auswechseln aller Dichtungen und dem Auffüllen von Schmierstoffen und Kraftstoff kann dieses Fahrzeug fahren.
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Das letzte Mal wurde das Fahrzeug im Jahr 2001 in Betrieb gesetzt.
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So ist der Ausblick vom Fahrersitz.
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Ein Blick auf die Technik. Man schaue auf die Hinterachse. Das ist nur ein einfaches Zahnradgetriebe, kein Differenzial. Man kann sich denken, dass die Fahrt mit solch einem Fahrzeug abenteuerlich ist.
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Das ist die Hinterradbremse. Eine so genannte Bandbremse. An der Dicke der Bremsbänder ist erkennbar, dass die Lebensdauer der Bremse eher gering ausfällt.. Eine Vorderradbremse existiert nicht.
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Der Scheinwerfer des Fahrzeugs. Entgegen landläufiger Meinung wird dieser Scheinwerfer nicht mit Docht und Petrolium oder Kerzen betrieben, sondern mit einem Karbidbrenner. Dadurch sind diese Lampen durchaus hell und mit Bilux-Glühlampen vergleichbar.
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